Storytelling

Konzeptionelle Fotografie – Geschichten, die über das einzelne Bild hinausgehen.

Hinter jedem Menschen steckt eine Geschichte. Hier zeige ich fotografische Arbeiten über unterschiedliche Menschen, ihre Lebenswelten und die Themen, die sie bewegen. Mein Blick ist dokumentarisch, mit einem Hauch Inszenierung – nah am Leben und offen für ungewöhnliche Perspektiven.

Ich möchte noch viele weitere Geschichten erzählen. Habt ihr ein Thema, das euch am Herzen liegt, oder möchtet ihr eure eigene Geschichte in Bildern festhalten? Meldet euch bei mir – ich freue mich darauf, euch kennenzulernen.

Ausstellung in Düsseldorf · Januar 2026 · Visual Art Journal · März 2026

Sehnsucht. Zwischen den Welten

Eine konzeptionelle fotografische Serie, ausgestellt in Düsseldorf im Januar 2026 und im Visual Art Journal im März 2026 veröffentlicht.

Konzept

Sehnsucht / Zwischen den Welten

Hannover, den 01.12.25

Thema

Unser Leben hinterlässt Fußspuren. Sie sind in unseren Erinnerungen eingeprägt. Erlebnisse und Erinnerungen machen uns zu dem, was wir sind. Wir spüren, wie die Vergangenheit nicht verloren geht, sondern weiter in uns lebt – als Quelle von Orientierung, Identität und oft auch Sehnsucht. Gefangen zwischen zwei Welten: der Vergangenheit und der Gegenwart.

Inhalt des Konzeptes

Ich erzähle meine eigene Geschichte und zeige meine Fußspuren. Ich reise nach 28 Jahren zu meinen Wurzeln zurück und nehme Sie mit. Besuche die Plätze und Orte, wo ich geboren wurde und aufgewachsen bin. Treffe mich mit den Menschen, die damals in meinem Leben wichtig waren und heute immer noch sind. Ich begebe mich auf die Suche nach dem Grab meines Vaters in einer mir unbekannten Stadt. In meinen Träumen läufe ich immer noch die vertrauten Wege entlang, greife nach frischen Pfirsichen, trinke Wasser aus dem Brunnen am Straßenrand, komme bei den Großeltern auf‘en Teller „Himmelspeise“ vorbei... Es scheint so, dass mein Herz für immer dort geblieben ist, in den weiten Steppen Kasachstans.

Hauptrolle

Nelli Polle-Zengin, geboren am heißen Sommertag in 1975 in Kasachstan. Vor 33 Jahren im Alter von 17 Jahren immigrierte sie mit der gesamten Familie als Russlanddeutsche nach Deutschland. Es war für sie eine schwere Zeit. Die langjährige Freunde zurücklassen, ihre erste Liebe zu verlieren und ohne Sprachkenntnisse in ein komplett fremdes Land für immer zu ziehen. Die Zeit voller Sehnsucht ist in dutzenden Briefen und Bildern festgehalten. In D. hat sie studiert, Kariere gemacht, Familie gegründet und ihr neues Zuhause gefunden. Sie hat sich perfekt integriert. Nelli begibt sich auf die Spuren ihrer Kindheit und Jugend.

Meine Motivation

Meine Motivation ist diese, für mich sehr bedeutungsvolle und emotionale Reise nutzen, um zu verstehen, was für mich persönlich HEIMAT bedeutet und zu zeigen wie wertvoll eine Freunschaft sein kann. Ich reise in die Vergangengeit, wo ich vor über 33 Jahren als Jugendliche gelebt habe. Treffe mich mit meinen Kindheitsfreunden, mit denen der Kontakt nie abgebrochen war. Ich gebe den Einblick in mein Heimatland und zeige die kulturelle Besonderheiten der kasachischen Kultur. Ich portraitiere die Einheimischen und erzähle neben meiner auch deren Geschichten.

In der aktuellen Zeit der Migration, Kriegen und Globalisierung müssen viele Menschen deren Heimat zurücklassen. Oft ist keine Rückkehr möglich. Meine Geschichte zeigt einerseits wie anpassungsfähig ein Mensch sein kann und anderseits, dass die Sehnsucht nach der Heimat und Freunden nie aus dem Herzen verschwindet.

Stil

Porträt- und Dokumentarfotografie.

Nelli Polle-Zengin

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VISUAL ART JOURNAL · 15. FEBRUAR · INTERVIEWS

Nelli Polle-Zengin

Geburtsjahr: 1975
Wohnort: Hannover, Deutschland
Ausbildung: Internationales Tourismusmanagement
Kunst in drei Worten: Tiefgründig. Authentisch. Kreativ.
Disziplin: Porträt. Geschichtenerzählen. Konzeptionelle Fotografie.

Nelli mit Kamera und Filmstreifen

Ihr Projekt „Longing / Between Worlds“ ist zutiefst persönlich. In welchem Moment wurde Ihnen klar, dass diese Reise zurück nach Kasachstan ein künstlerisches Projekt werden musste, nicht nur ein privates Erlebnis?

Schon vor der Reise. Ich hatte lange davon geträumt, in meine Heimat zurückfliegen zu können. Schließlich hatte ich die Gelegenheit dazu und dachte sofort: Ich möchte das mit Fotos dokumentieren. Ursprünglich dachte ich, ich könnte die Geschichte der sogenannten Russlanddeutschen erzählen. Aber die Menschen um mich herum überzeugten mich, stattdessen meine eigene Geschichte zu erzählen.

Sie sprechen vom Leben „zwischen zwei Welten“ – der Vergangenheit und der Gegenwart. Wie empfinden Sie persönlich diese Spannung heute, nach so vielen Jahren in Deutschland?

Ich träume immer noch von meiner Heimat, obwohl ich Kasachstan vor fast 34 Jahren verlassen habe. Ich fühle mich ständig dorthin zurückgezogen. Ich besuche russische Lebensmittelgeschäfte und suche nach meinen Lieblingsprodukten, höre laut alte Lieder und spiele sie meinen Kindern vor. Ich brenne für meine Heimat; Immer wenn das Wort Kasachstan auftaucht, werde ich verrückt — zumindest sagen das meine Kinder. 😊

Besuch an einem Grab

Das Gedächtnis spielt bei Ihrer Arbeit eine zentrale Rolle. Wie helfen Ihnen Fotografien, Ihre eigenen Erinnerungen zu bewahren, neu zu interpretieren oder sogar in Frage zu stellen?

Fotos sind für mich die schönsten Erinnerungen. Deshalb fotografiere ich gerne andere Menschen und halte Momente in ihrem Leben fest. So erschaffe ich ihre Erinnerungen. Ich bewahre meine alten Fotos und Fotos meiner Eltern und Großeltern wie einen kostbaren Schatz auf. Die Tatsache, dass ich heute fotografiere, hat mir eine neue, unbezahlbare Chance eröffnet: die Welt um mich herum so darzustellen, wie ich sie wirklich sehe. Ich habe die Natur Kasachstans wiederentdeckt. Als Teenager hatte ich keine Gelegenheit zu reisen. Auf dieser Reise reiste ich mit meinen Freunden zu einigen Naturschätzen, um die Schönheit und Vielfalt meines Heimatlandes zu zeigen.

Ein Globus in den Händen einer Frau

Die Rückkehr an Ihren Geburtsort nach 28 Jahren muss emotional intensiv gewesen sein. Gab es während dieser Reise einen Moment, der Ihre Wahrnehmung von „Zuhause“ verändert hat?

Oh ja, sehr emotional. Als ich im Flugzeug saß, schrieb ich meine Gefühle in mein kleines Notizbuch: „Mein Herz spürt eine unbeschreibliche Kraft. Kraft, die Berge versetzen kann. Kraft, die aus dem Ruf der Heimat kommt. Sehnsucht. Träume vermischen sich mit der Realität...“

Meine Wahrnehmung von „Zuhause“ hat sich nicht verändert, sondern bestätigt. Als ich nach drei Jahrzehnten die Elternwohnung meines besten Freundes betrat, sah ich, dass sie genau so geblieben war, wie ich sie zuletzt gesehen hatte. Eine unerklärliche Energie floss durch meinen Körper: Freude, Unverständlichkeit, Traurigkeit, Sehnsucht, aber auch Glück und viel Liebe. Sogar das alte Wählscheibentelefon war noch da. Ich konnte kein Wort sagen. Ich hatte den Wunsch, die gleichen Momente zu erleben wie in meiner Kindheit und Jugend. Also ließ ich mich fotografieren, wie ich Wasser aus einem Wasserhahn im Badezimmer trank, auf dem vertrauten Bett mit dem Teppich an der Wand lag, Tee an dem vertrauten kleinen Küchentisch trank, wie eine Rakete die Treppe hinunterraste und so weiter ... Wenn ich mir heute meine Bilder von diesem Sommer anschaue, habe ich immer dasselbe Gefühl: Ich möchte zurück!

Bett vor einem Wandteppich

In diesem Projekt fotografieren Sie nicht nur Orte, sondern auch Menschen, die Ihr Leben geprägt haben. Wie hat Ihr persönliche Beziehung zu ihnen die Art und Weise beeinflusst, wie Sie sie fotografiert haben?

Es war absolutes Vertrauen. Ich konnte Fotos ohne Worte, ohne Spannung und auf der gleichen energetischen Ebene machen (gibt es so etwas? 😊). Als ich meinen Mitmenschen von meinem Projekt erzählte, waren immer alle bereit, mir zu helfen: Freunde, Lehrer, Nachbarn, Freunde der Familie, Bekannte und Fremde. Deshalb war es für mich einfach und sehr angenehm.

Beine und Pflanzenschatten im Sonnenlicht

Ihre Bilder balancieren zwischen Dokumentarfotografie und emotionalem Geschichtenerzählen. Wie entscheiden Sie, wann Sie ruhig beobachten und wann Sie künstlerisch eingreifen?

Ich habe fast immer damit begonnen, eine bestimmte Szene zu dokumentieren. Ich habe erst eingegriffen, als ich sah, dass mein Einfluss ihr vertiefen könnte. Ich habe meine künstlerischen Ideen durch Positionierung, Beleuchtung, Verlagerung der Aufmerksamkeit auf etwas Bestimmtes, Bereicherung oder Reduzierung der Szene hinzugefügt. Meine Freunde zeigten immer Geduld und Vertrauen. Sie lassen mich einfach mein Ding machen. Meine Begeisterung war ansteckend. Sie hatten Spaß, weil ich Spaß hatte.

Küche mit gemusterten Vorhängen

Migration, Vertreibung und Sehnsucht sind heute globale Themen. Welche Art von emotionaler Reaktion hoffen Sie, dass die Zuschauer haben werden, wenn sie Ihrer Arbeit begegnen?

Die Verbindung durch die eigene Erfahrung, das Interesse an einem völlig anderen Leben und/oder das Verständnis für Menschen, die ihre Heimat hinter sich lassen mussten. Ein ukrainischer Kollege sah meine Bilder und sagte: „Zum ersten Mal habe ich das Gefühl, ich möchte nach Hause. Mein Herz klopft. Ich spüre ein Gefühl der Sehnsucht.“ Ich lächelte breit. Denn genau dieses Gefühl möchte ich vermitteln.

Zum Interview im Visual Art Journal

Sehnsucht. Zwischen den Welten Bild 1 Sehnsucht. Zwischen den Welten Bild 2 Sehnsucht. Zwischen den Welten Bild 3 Sehnsucht. Zwischen den Welten Bild 4 Sehnsucht. Zwischen den Welten Bild 5 Sehnsucht. Zwischen den Welten Bild 6 Sehnsucht. Zwischen den Welten Bild 7 Sehnsucht. Zwischen den Welten Bild 8 Sehnsucht. Zwischen den Welten Bild 9 Sehnsucht. Zwischen den Welten Bild 10 Sehnsucht. Zwischen den Welten Bild 11 Sehnsucht. Zwischen den Welten Bild 12 Sehnsucht. Zwischen den Welten Bild 13 Sehnsucht. Zwischen den Welten Bild 14 Sehnsucht. Zwischen den Welten Bild 15 Sehnsucht. Zwischen den Welten Bild 16 Sehnsucht. Zwischen den Welten Bild 17 Sehnsucht. Zwischen den Welten Bild 18

Dortmund · September 2024 · Visual Art Journal · Oktober 2024

Selbstgenähtes Kleid

Was bedeutet Zuhause, wenn man es mehrmals verlassen musste? Die Geschichte von Marie Semrau verbindet Erinnerungen, Migration und die Bedeutung von Heimat.

Das Konzept lesen

Konzeptionelle Fotografie

"Selbstgenähtes Kleid"

Thema: Zuhause

In einer Welt, die sich immer schneller zu drehen scheint, suchen viele Menschen nach einem Gefühl von Heimat, nach einem Ort im Leben, an dem sie sich authentisch und zugehörig fühlen. Das kann unsere Wohnung sein, das Haus unserer Eltern, die Stadt oder das Land, in dem wir aufgewachsen sind. Oder ist es eher das Gefühl der Verbundenheit und die Erinnerung an die Menschen, die uns damals begleitet haben?

Inhalt des Konzeptes

Am Beispiel einer 98-jährigen Frau möchte ich die Bedeutung von Heimat und die damit verbundenen Werte aufzeigen. Was ist Heimat für eine Person, die ihr Zuhause schon mehrmals verlassen musste?

Hauptrolle

Marie Semrau, eine Russlanddeutsche, geboren 1926 in der Wolgaregion. Marie war 15 Jahre alt, als der Zweite Weltkrieg ausbrach. Im Alter von 16 Jahren wurde sie zum Arbeiten nach Berlin deportiert und blieb dort bis zum Kriegsende. Maries Mutter hatte ihr das Nähen beigebracht, und in Berlin besuchte sie Abendkurse und fertigte ihr erstes Kleid aus Männerhosen an, die sie auf der Straße fand. Von diesem Kleid gibt es ein Foto. Als ich Marie fragte, welche Farbe das Kleid hatte, antwortete sie sofort: "Grau... mit dunkelgrauen Streifen". Von da an hatte Marie immer eine Nähmaschine dabei. Das Nähen sicherte ihr das Überleben in ihrem Leben. Als ich sie fragte, wie ihre Heimat aussieht, sagte sie: "Die Ukraine, das Haus ihrer Eltern, wo sie geboren und aufgewachsen ist". Auf meine Frage, was die schönste Zeit ihres Lebens war, antwortete sie: "Die Zeit in Berlin". Trotz des Krieges. Damals war sie jung. Marie hatte Arbeit, ihre beste Freundin und einen Traum für die Zukunft.

Fazit

Maries Geschichte zeigt, wie anpassungsfähig ein Mensch sein kann. Maries Beispiel zeigt, dass man selbst in einem schwierigen Leben positive Momente finden kann und sollte. Migration ist immer eine Chance. Das Leben ist das Produkt unserer Gedanken und Handlungen. Wir können die Opferrolle verlassen, die Gelegenheit nutzen und das Beste aus unserer Situation machen.

Stil

Porträt- und Dokumentarfotografie.

Hannover, den 11.09.24
Nelli Polle-Zengin

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Projekt-Print

Nelli Polle-Zengin · Selfmade Dress

Germany

Marie im Porträt vor einem historischen Foto

Nelli has been living in Germany for 32 years. Here she graduated from the University of Tourism Economics and made a career. Nelly has traveled half the world, traveling is an important part of her life. Since 2020, life has finally allowed her to immerse herself in photography. Her experience as a manager helped her quickly develop and shoot commercial shoots. For her, photography is not only art and emotions, but also careful preparation. In her works, she experiments and uses the interaction of light and shadow. What is a good photograph for her? A good photograph conveys feelings and tells a story...

She is currently working on a collaborative project called “Supernova” which will culminate in an exhibition in September 2024.

Nelli und Marie gemeinsam auf dem Sofa

Our life leaves traces. They are imprinted in our memory, but above all on our faces. The lines of life are drawn by our wrinkles. Where do we feel at home?

In a world that seems to be spinning faster and faster, many people are longing for a sense of home, a place in life where they feel authentic and belong. Could it be our apartment, our parents’ house, the city or country where we grew up? Or is it more likely a sense of connection and memories of those people who were with us back then?

Using the example of a 98-year-old woman, Nelli wants to show the meaning of home and the values associated with it. What is home for a person who has had to leave her home several times?

Protagonist: Marie Zemrau, born in 1926 in the Volga region, a Russian German. She was 15 years old when World War II began. At the age of 16, she was deported to Berlin to work, and she remained there until the end of the war. Her mother had already taught her to sew, and in Berlin she attended evening classes and made her first dress from men’s trousers she found on the street. There is a photograph of this dress.

Marie betrachtet ihr Fotoalbum
Historisches Foto von Marie im selbstgenähten Kleid

When Nelli asked her what color the dress was, Marie immediately answered: gray ... with dark gray stripes. From then on, she always had a sewing machine with her. Sewing ensured her survival throughout her life. When Nelli asked her what her home was like, she answered: Ukraine, her parents’ house, where she was born and raised. And the question about the best time of her life, she answered: the time in Berlin. Then she was young ... She had a job, a best friend and a dream for the future.

Originalansicht mit Bildern
Print Selbstgenähtes Kleid

Visual Art Journal

Visual Art Journal · Selbstgenähtes Kleid

Nelli Polle-Zengin
Geburtsjahr: 1975.
Wo wohnst du: Hannover, Deutschland.
Ihre Ausbildung: Fachhochschule für Tourismuswirtschaft.
Beschreiben Sie Ihre Kunst in drei Worten: Emotion, Kreativität, Authentizität.

Fotografie zum Interview Selbstgenähtes Kleid

Was hat Sie dazu inspiriert, das Projekt „Selfmade Dress“ zu kreieren, das sich auf das Leben von Marie Semrau konzentriert?

Die Idee kam, als ich über das Thema „home“ nachdachte. Was bedeutet Zuhause für alte Menschen, die oft ihre Häuser verlassen mussten? Nachts erinnerte ich mich plötzlich an Tante Marie, die ich vor vielen Jahren nur einmal in meinem Leben gesehen hatte.

Wie hat Maries Geschichte bei Ihnen persönlich Resonanz gefunden? Gab es einen Moment, der Sie während Ihrer Gespräche mit ihr besonders bewegte?

Die detaillierten Geschichten haben mich besonders berührt, obwohl die Tage, über die Marie sprach, vor mehr als 80 Jahren waren. Wie sie sofort wusste, welche Farben ihr erstes selbstgemachtes Kleid hatte. Und ihre Antwort, dass die glücklichste Zeit ihres Lebens während des Krieges in Berlin war.

Fotografie zum Interview Selbstgenähtes Kleid

Können Sie mehr über die Bedeutung des Nähens in Maries Leben erzählen und warum es zu einem so zentralen Thema im Projekt wurde?

Das Nähen sicherte Maries Überleben während ihres gesamten Lebens. Während des Krieges und besonders danach, als es große Armut gab und sie auch 4 Kinder hatte. Sie hatte immer ihre Nähmaschine dabei. Selbst als sie in ihrem Alter in das reiche Land Deutschland einwanderte, nahm sie den Zug anstelle des Flugzeugs, nur weil sie ihre Nähmaschine mitnehmen wollte. Diese Maschine ist immer noch da. Es zeigt auch die Rolle der Handwerkskunst in der Vergangenheit.

Fotografie zum Interview Selbstgenähtes Kleid

Die Idee von „home“ ist in diesem Projekt zutiefst komplex, insbesondere für jemanden, der mehrmals eine Verschiebung erfahren hat. Wie hat sich Maries Wahrnehmung von Zuhause im Laufe der Jahre entwickelt?

Sie könnten denken, dass Menschen, die oft ihre Häuser verlassen müssen, kein einziges Zuhause haben, sondern mehrere Orte, an denen sie sich zu Hause fühlten. In den meisten Fällen bleibt das Zuhause jedoch mit den Wurzeln verbunden. Zuhause ist, wo du geboren und aufgewachsen bist. Vielleicht, weil wir glückliche Erinnerungen an die Kindheit und ein Gefühl der Sicherheit haben. Dies ist auch bei Marie der Fall: Ihr Zuhause ist das Elternhaus, in dem sie aufgewachsen ist.

Die Fotografien erfassen sowohl die Gegenwart als auch die Vergangenheit mithilfe von Licht-, Schatten- und Archivbildern. Welche Rolle spielt Nostalgie bei Ihrer Herangehensweise an das Geschichtenerzählen durch Fotografie?

Ich bin sehr froh, dass ich diese Gefühle vermitteln konnte. Da ich im Alter von 17 Jahren mein Heimatland verlassen musste, spielt Nostalgie für mich eine besondere Rolle. Ich hatte eine tiefe Beziehung zu meinen Großeltern, die ein ähnliches Leben wie Marie hatten. Ich konnte ihre Geschichten mit meinem Herzen sehen.

Fotografie zum Interview Selbstgenähtes Kleid

Wie haben Sie den visuellen Stil für dieses Projekt gewählt und welche Aspekte von Maries Erfahrungen wollten Sie durch Ihre künstlerischen Entscheidungen hervorheben?

Ich wollte mit meinen kreativen Ideen ein Porträt von Marie machen. Als ich bei ihr war, sah ich, dass Marie die meiste Zeit auf ihrer Couch sitzt. Wegen ihrer Beinschmerzen kann sie kaum laufen, deshalb habe ich beschlossen, ihr Leben heute festzuhalten und eine Dokumentarserie zu machen, ohne Marie zu belasten. Nach einer Weile fand Marie unser Gespräch großartig und rannte mit Gehhilfe durch das Haus, um mir die Erinnerungen zu zeigen. Es war sehr schön.

Fotografie zum Interview Selbstgenähtes Kleid

Inwiefern kann Maries Widerstandsfähigkeit und Lebensgeschichte Ihrer Meinung nach bei der heutigen Generation Anklang finden, insbesondere angesichts der Erfahrungen mit Vertreibung und Migration in der modernen Welt?

Maries Geschichte zeigt, wie anpassungsfähig eine Person sein kann. Maries Beispiel zeigt, dass man selbst in einem schwierigen Leben positive Momente finden kann und sollte. Sie erzählte mir, dass ihre beste Zeit in Berlin war, trotz des Krieges und der Vertreibung aus ihrem Haus, und das ließ mich viel nachdenken. Migration ist immer eine Chance. Das Leben ist das Produkt unserer Gedanken und Handlungen. Wir können die Opferrolle verlassen, die Gelegenheit nutzen und das Beste aus unserer Situation machen.

Videovorschaubild aus dem Originalinterview
Originalansicht mit Bildern
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Selbstgenähtes Kleid Bild 3 Selbstgenähtes Kleid Bild 4 Selbstgenähtes Kleid Bild 5 Selbstgenähtes Kleid Bild 6 Selbstgenähtes Kleid Bild 7 Selbstgenähtes Kleid Bild 8 Selbstgenähtes Kleid Bild 1 Selbstgenähtes Kleid Bild 2 Marie betrachtet ein Fotoalbum am Fenster Zwei Stühle an einem Tisch im gedämpften Licht

Ausstellung in Aachen · März 2024

Transkulturelle Zukunft

Eine dokumentarische Serie über die Verschmelzung von Kulturen im Alltag – am Beispiel von Paaren und Familien mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen.

Das Konzept lesen

Konzeptionelle Fotografie

"Transkulturelle Zukunft"

Thema

In der Realität sind Kulturen weder sprachlich und ethnisch homogen, noch territorial abgegrenzt. Neue Kulturen formieren sich durch Vernetzungen, Überlappungen, Durchdringungen und Vermischungen bestehender Kulturen. Die transkulturelle Perspektive richtet den Fokus nicht auf das Trennende, Fremde und die daraus resultierenden Konflikte, die überbrückt und gelöst werden können. Der Fokus liegt auf den Gemeinsamkeiten, die eine Verständigung ermöglichen. Die Kulturen sind nicht angeboren, sie werden erlernt. Sie entwickeln und verändern sich ständig. Vor allem in der heutigen Zeit der Globalisierung und Migration vermischen sich die Kulturen schneller denn je.

Inhalt des Konzeptes

Darstellung von Verschmelzung von Kulturen im Alltag. Anhand der Beispiele der in Deutschland lebenden und aus unterschiedlichen Kulturen stammenden Paare und Familien. Inklusive meines eigenen Lebens. Verschmelzung der Kulturen. Ich bin nicht nur Beobachter, sondern selbst ein Darsteller.

Hauptdarsteller

Familien oder Paare, in welchen die Personen aus zwei unterschiedlichen Kulturen stammen.

Meine Motivation

Dem Zuschauer zu zeigen, dass alle heutigen Kulturen in einem positiven Sinn durch Mischung und Durchdringung gekennzeichnet sind. Zu zeigen, dass eine transkulturelle Ehe und Familie nicht nur möglich, sondern eine sehr große Bereicherung für alle Beteiligten ist. Durch die Annäherung und Vermischung der Kulturen brechen auf einmal alle Vorurteile weg und es bleiben nur: die Menschen selbst. Die zentrale Aufgabe der transkulturellen Erziehung von Kindern ist, Kulturen nicht als Merkmale der Differenz, sondern als Chancen zur Partizipation zu vermitteln.

Stil

Porträt- und Dokumentarfotografie.

Hannover, den 11.09.24
Nelli Polle-Zengin

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Transkulturelle Zukunft Bild 1 Transkulturelle Zukunft Bild 2 Transkulturelle Zukunft Bild 3 Transkulturelle Zukunft Bild 4 Transkulturelle Zukunft Bild 5 Transkulturelle Zukunft Bild 6 Transkulturelle Zukunft Bild 7 Transkulturelle Zukunft Bild 8 Transkulturelle Zukunft Bild 9 Transkulturelle Zukunft Bild 10 Baby und Familie beim Spielen mit bunten Figuren Mädchen am Kühlschrank in der Küche Ein Paar umarmt sich vor einem gemusterten Wandteppich Familie beim gemeinsamen Teeeinschenken

Lasst uns gemeinsam eure Geschichte erzählen!

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